Hermer

Mrz 27, 2014
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Hermer

300 000 bis 500 000 Wörter umfasst der Wortschatz der deutschen Gegenwartssprache, aber es scheint, als bräuchten wir noch ein paar Tausend weitere mehr: Anglizismen grassieren; was man auch liest und hört, man trifft überall auf sie.

Es gibt Begriffe, für die es kein deutsches Alternativwort gibt; ist das auch Ihre Meinung? Exgüsi, Sie täuschen sich. Schauen wir auf den noch jungen und speziellen «Whistleblower». Lange wurde nach dem passenden deutschen Alternativwort gesucht; mit dem «Nestbeschmutzer» war es nicht getan. Der «Whistleblower» ist ja ein Held; er deckt auf und prangert an, was so gerne unter den Teppich gekehrt wird.

Der «Sprachspiegel» (Schweizerischer Verein für die deutsche Sprache) rief zur Wortsuche auf. Heinz Probst aus Basel schlug «Hermer» vor, ein Kunstwort, ja. Dieses hat er «vom griechischen Götterboten Hermes mit seinem zwielichtigen Tun hergeleitet». In der Nummer 2-2012 wird Heinz Probst zitiert: «Das Wort ist leicht anwendbar, kurz, fügt sich gut in die deutsche Sprache ein und hat eine Wurzel in der Klassik.» Der Sprachspiegel kürte das Wort als Sieger: «Gewiss: Götter sind hier eigentlich nicht im Spiel, Zwielichtigkeit gehört auch nicht ins Pflichtenheft, und die Chance, dass sich das Wort durchsetzt, ist minim. Aber originell ist der Vorschlag allemal.»

«Originell» als Kriterium der Beurteilung für ein Wort und für Texte? Ja, das unterschreibt die Texterin. Dreifach.

Fotomontage www.designerist.ch

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